Tags: Epilog, Autor, Autorin, Schreibtipps

Autor/in: Caroline Breitfelder

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Oder: Wie schreibe ich einen guten Epilog?

Da wir uns hier auf dem Blog ja schon darüber ausgelassen haben, was einen guten Prolog ausmacht – wann man ihn schreibt, wie man ihn schreibt und wann man ihn besser weglässt –, wollen wir uns heute mit dem Ende der Geschichte befassen: dem Epilog. Frage: Was ist ein Epilog und was macht ihn gut?

Was ist ein Epilog?

Das Wort Epilog setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort epi, was „danach / nachgestellt“ bedeutet, und logos, das man mit „Wort“ übersetzen kann. Das nachgestellte Wort also. Der Epilog gehört nicht mehr zur eigentlichen Geschichte, sondern kommt dann zum Einsatz, wenn der Autor / die Autorin das Gefühl hat, dem Ende noch etwas hinzufügen zu müssen. Sozusagen ein letzter Ruf an das Publikum – vielleicht, um Informationen über die Zukunft der geliebten Hauptcharaktere zu geben, offene Fragen zu beantworten, eine Interpretationshilfe oder die sogenannte „Moral von der Geschicht‘“ zu liefern. Bei mehrteiligen Werken ist ein Ausblick auf den nächsten Band sehr beliebt, wie in kleiner Teaser.

Was nicht mit einem Epilog zu verwechseln ist, ist das Nachspiel, das es im Drama und Theater gibt. Das Nachspiel ist nämlich sozusagen ein Extra-Mini-Stück, das (oft) zusammenhanglos angefügt wird und ursprünglich dem Zeitvertreib der Zuschauer/innen beim Verlassen des Theaters nach Ende des eigentlichen Schauspiels diente. Was der Epilog ebenfalls nicht ist, ist das letzte Kapitel. Die Haupthandlung ist abgeschlossen, bevor der Epilog das erste Wort hustet.

Fazit: So wie der Prolog das Werk einleitet, rundet der Epilog es schlussendlich ab; beide stehen außerhalb der eigentlichen Handlung und sind keine „Kapitel“ der Geschichte, sondern eher kleine „Schmankerl“, die man anfügen kann, aber nicht muss.

Was macht einen Epilog gut?

Zunächst einmal ist es interessant zu wissen, dass Epiloge vor allem in dramatischen Texten vorkommen und seltener in Prosawerken. Die meisten Romane kommen ohne Epilog aus und Kurzgeschichten sowieso. Aber manchmal gibt es eben doch noch etwas zu erzählen. Etwas Wichtiges fehlt, das aber nicht so ganz in den Handlungsstrang der Hauptgeschichte passen will. Oder der Epilog bietet Platz für eine Pointe, die eine ganz andere Perspektive auf das Geschehen eröffnet und den Leser / die Leserin nach der letzten Seite mit offenem Mund zurücklässt – und dann lohnt es sich!

Wir haben ein paar Beispiele dafür gesammelt, was in Epilogen so alles auftauchen und der Geschichte eine besondere Würze verleihen kann:

DIY-Kit für Epiloge

  • Blick in die Zukunft: Hier katapultiert der Epilog die Leser/innen, die sich nicht losreißen können, einige Jahre (das kann nur ein Jahr sein, aber auch einhundert) in die Zukunft. Er zeigt, inwiefern sich die fiktive Welt oder die Charaktere verändert haben und wie ihr Leben sich nun nach dem Ende der Haupthandlung gestaltet. Berühmte Beispiele wären das Ende der „Harry Potter“-Reihe, bei dem wir unsere Lieblingszauberer ein letztes Mal als Erwachsene an den Bahnsteig 9 ¾ begleiten, an dem sie ihre eigenen Kinder auf dem Weg nach Hogwarts verabschieden. Andere Muster wären das Ende von Ian McEwans „Abbitte“ oder der Schluss von „Jane Eyre“.

 

  • Plottwist: Ein unerwarteter Schreck, ein Cliffhanger, eine unvermutete Perspektive: Alles, was die Haare auf den Armen der Leser/innen zu Berge stehen oder sie herzhaft lässt, ist hier eine gute Idee. Jonas Jonasson zum Beispiel baut in seine Epiloge gerne kleine Überraschungen ein, wie in „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ oder „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Auch das Ende von Mariana Lekys „Was man von hier aus sehen kann“ ist unerwartet – und traurig.

 

  • Interpretationshilfe: Manchmal sind Geschichten verwirrend. Manchmal wissen Autor/innen das auch – und geben eine kleine Interpretationshilfe, die eine bestimmte Perspektive auf die Erzählung suggeriert. Im idealen Fall geschieht das nicht zu eindeutig, sondern subtil und elegant, wie am Ende des Epilogs in Juli Zehs „Spieltrieb“.
  • Einbettung in eine Rahmenhandlung: Es gibt Schriftsteller/innen, welche eine Rahmenhandlung um die eigentliche Geschichte fügen. Da werden etwa Fremde erfunden, die ihnen die Erzählung einfach berichtet hätten, oder sie schreiben von einem Stapel vergilbter Papiere, auf denen das eben Gelesene aufgezeichnet gewesen sei. Walter Moers zum Beispiel bezeichnet sich als den „Übersetzer“ der Werke von Hildegunst von Mythenmetz, dem schreibenden Lindwurm, der uns seine fantastischen Erlebnisse aus Zamonien erzählt.

 

  • Appell an die Rezipient/innen: Eine Botschaft trägt beinahe jede Erzählung mit sich. In einigen Fällen soll diese nochmal deutlicher gemacht werden am Ende der Geschichte, um sich bei den Rezipient/innen gut einzuprägen. So auch bei dem Nachwort von „Momo“, in dem Michael Ende schreibt, dass er die Geschichte der kleinen Momo auf einer Eisenbahnreise von einem unbekannten Passagier erzählt bekommen habe. Die letzten Worte dieses Fremden lassen uns darüber nachgrübeln, wie wir selbst unser Leben und unsere Zeit gestalten möchten. Auch Y.N. Harari appelliert an seine Leser/innen am Ende seines Bestsellers „Sapiens“ und schreibt, dass wir Menschen, die wir uns zu oft als Götter fühlen, darauf aufpassen müssen, was wir mit uns und unserer Welt anstellen.
  • Vorgeschmack auf den nächsten Band: Verwandt mit dem oben beschriebenen „Plottwist“ kann man am Ende seines Buches einen kleinen Ausblick auf das Weitergehen der Geschichte geben, sodass die Leser/innen am liebsten gleich in die nächste Buchhandlung stürmen und den zweiten Band erstehen wollen. Diese Ermunterung zum Weiterlesen findet sich beinahe am Ende eines jeden Mehrteilers.

 

  • Andere Perspektiven: Interessant und ein kleiner Kunstkniff kann es sein, einen anderen Schreibstil für den Epilog zu wählen und aus dem gängigen Stil auszubrechen; zum Beispiel mit einem Gedicht oder Brief. Auch der Blickwinkel eines Charakters, der bis hierhin keine große Rolle gespielt hat, kann interessant sein. In „Eine wie Alaska“ von John Green endet das Buch beispielsweise damit, dass der Protagonist Miles einen Aufsatz schreibt, in welchem er das Geschehene versucht zu verarbeiten.
The End

Ob du einen Epilog für deine Geschichte schreiben möchtest und wenn ja, wie, liegt am Ende (literally) natürlich ganz bei dir. Wir wünschen dir jedenfalls viel Spaß beim Schreiben, ob nun mit oder ohne Epilog!